
1880
Am 1. Oktober 1880 gründete August Bernitz in der Auguststraße in Braunschweig eine Kartonagenfabrik, ein Jahr später tat es ihm Julius Kater nach und ließ sich in der gleichen Branche nicht weit entfernt in der Güldenstraße nieder.
1883
Nach drei Jahren übernahm der clevere Kater die Kartonagenfabrik von J. Sonnenberg und verlegte beide Betriebe an den Eiermarkt in Braunschweig. Er war ein rühriger Kaufmann, wirtschaftete mit Weitsicht. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte er bereits 35 Arbeiter und Angestellte.
1901
Um die Jahrhundertwende wechselte die Firma ihren Besitzer. Walter Bessin machte Kater ein gutes Angebot, und der nahm an.
Auch Bessin war sehr erfolgreich. Um seine Leistungsfähigkeit zu verbessern, integrierte er 1902 die Fabrik von August Bernitz in sein Unternehmen — unter dem Namen „Julius Kater Nachfolger“.
1910
Erstmals 1910 tauchte der Name Streiff im Firmennamen auf. Otto Streiff (Abb. 3 auf dem Foto mit Ehefrau Gertrud), gelernter Kaufmann, erwarb 1910 den Betrieb Julius Kater Nachfolger für 27.000 Mark und zog in modernere Räume an der Fallersleber Straße 6. Er hatte Erfahrungen in Rostock und später in Aschersleben, bei der Firma Gerson, gesammelt.
1914
Nach der Übernahme spezialisierte sich Otto Streiff auf die Produktion von Versandkartons. Außerdem richtete er einen Klebesaal für die Herstellung beklebter Kartonagen ein. Bereits vier Jahre später, 1914, schien der Betrieb führungslos, Otto Streiff zog in den Krieg.
1918
In dieser Phase erwies sich die Hochzeit Otto Streiffs mit Gertrud als Glücksfall. Die resolute Frau führte die Firma durch alle Kriegswirren und erreichte sogar, dass bei Kriegsende alle Schulden abgetragen waren.
1920
Voller Elan stürzte sich Otto Streiff nach Kriegsende wieder ins Geschäftsleben. Anfang 1920 machte die Kartonagenfabrik Helmold (Abb. links: Mitarbeiter von Helmold) mit Sitz in der Helenenstraße in Braunschweig den Vorschlag der Fusion beider Betriebe.
Nach kurzen Verhandlungen verkaufte Helmold am 1. Juni 1920 an Otto Streiff. Durch die Zusammenlegung beider Firmen änderte sich auch der Name in Streiff & Helmold.
Durch die Übernahme war der Maschinenpark größer geworden, die Zahl der Mitarbeiter auf 50 gewachsen.
Ein besonderes Problem war dadurch entstanden, dass sich nicht nur der Kundenkreis, sondern auch die Entfernungen für die Auslieferung der Ware vergrößert hatten.
1922
Die Belieferung der Kunden erfolgte noch mit Pferd und Wagen. Im Hinterhof hatte Streiff & Helmold einen Pferdestall eingerichtet, schließlich wäre die Firma ohne diese Pferdestärken aufgeschmissen, ein Transport der Kartonagen unmöglich gewesen.
Der langjährige Kutscher Robert Diestel zeigte voller Stolz seinen Fuhrpark (Abb. rechts).
1923
Aus dem Jahr 1923 stammt die Mahnung mit dem unvorstellbaren Betrag von 4,95 Billionen Mark.
1925
Während der Weimarer Republik sahen die Arbeitsbedingungen in Braunschweig abenteuerlich aus. Auf kleinstem Raum produzierten die Mitarbeiter Kartons. Durch eine kleine Zufahrt an der Fallersleber Straße 6 erreichte man die Kartonagenfabrik Streiff & Helmold.
1926
Es herrschte Aufbruchstimmung in der Löwenstadt. Und Otto Streiff ging beherzt an den Ausbau seiner Firma. Ideenreichtum war gefragt.
1927
Die Produktion im Maschinensaal funktionierte mit Transmissionen (Abb. links). Das Auslieferungsproblem musste gelöst werden.
Eine große Erleichterung bei der Belieferung der Kunden bedeutete die Umstellung der Fuhrwerke von Eisen- auf Gummibereifung.
1928
Die entscheidende Verbesserung zu mehr und schnellerem Kundenservice erfolgte zehn Jahre nach Kriegsende. Mit der Investition in einen Großraumlastwagen, werbewirksam mit einem Aufbau wie ein Versandkarton, war ein wichtiger Schritt nach vorn gemacht worden.
Die Ausstattung des LKW aus dem Hause Dürkop war hochmodern.
Drei Tage hatte Fahrer Wilhelm Schauenberg (Abb. rechts: mit Fritz Gühne, rechts) das Fahrzeug auf der Avus in Berlin getestet. Mit dem geräumigen LKW befand sich die Firma in der Lage, das Vertriebsnetz zu vergrößern. Auslieferungen bis 100 Kilometer außerhalb von Braunschweig stellten keine Schwierigkeit mehr dar.
1929
Neue Kunden Richtung Osten bis in den Raum Magdeburg hinein konnten gewonnen werden. Man bekam das Vertriebsproblem langsam in den Griff.
1930
Die zunehmende Arbeitslosigkeit erschwerte in den folgenden Jahren die Führung des Betriebes. Doch gelang es Otto Streiff, mit allen Schwierigkeiten fertig zu werden. Eine Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum von Streiff & Helmold zeugte von großem Unternehmergeist.
Dem erfreulichen Aufschwung der Jahre von 1933 bis 1939 folgten die Kriegsjahre mit allen Einschränkungen. Während des Krieges produzierte Streiff & Helmold Feldpostpäckchen.
1939
Sohn Herbert Streiff wurde zur Wehrmacht eingezogen, fiel also als Arbeitskraft in der Firma aus.
1944
Der Bombenangriff auf Braunschweig 1944 verschonte auch die Kartonagenfabrik nicht. Am 13. August wurde das Wohn- und Bürohaus und am 15. Oktober auch das gesamte Fabrikationsgebäude durch Fliegerbomben vollkommen zerstört. Vorübergehend verlegte man die Produktion in die Räume der Firma Richard Bretschneider in der Kastanienallee.
Es brach eine schwere Zeit auch für die Familie Streiff an. Bei Kriegsende wohnte Otto Streiff mit seiner Frau und den beiden Töchtern Gertrud und Charlotte in Hornburg.
1945
Nach Rückkehr der beiden Söhne Herbert (Abb. links) und Wolfgang beschloss die Familie, die Firma weiter zu führen. So leicht ließen sich die Streiffs nicht unterkriegen. Die Aufräumarbeiten auf der Fallersleber Straße 6 begannen kurz nach Kriegsende. Es sollten vor allen Dingen Maschinen geborgen und so viel wie möglich gerettet werden. Dabei stellte sich heraus, dass das Material im Pappenlager noch immer brannte, sobald frische Luft hinzukam — eine potenzielle Gefahrenquelle.
Eine typische Nachkriegs-Geschichte zeigt, wie es zu damaliger Zeit zuging: Eine ganze Anzahl Maschinen konnte ausgegraben und zum Abtransport für die Reparatur auf dem Fußweg vor dem Grundstück abgestellt werden. Als der am anderen Morgen erfolgen sollte, waren sie weg — über Nacht gestohlen.
Lediglich zwei gute Heftmaschinen blieben übrig.
Sie wurden durch die Spedition „Willy Reier” nach Leipzig geschickt (Abb. 18) und von der Firma Gebrüder Brehmer wieder aufgearbeitet.
Übrigens versahen die Maschinen noch bis 1980 ihren Dienst.
Bei der Suche nach geeigneten Räumen in Braunschweig war Streiff & Helmold schnell fündig geworden. Von dem Möbelhändler Albert Brennecke aus Ehmen bei Fallersleben pachtete Herbert Streiff das Grundstück in der Ekbertstraße 14. Das Bild zeigt die Fabrik bei der Übernahme. Man schrieb den 1. Oktober 1945.
Die Herrichtung des Gebäudes, das durch die Kriegsereignisse stark beschädigt war, gestaltete sich außerordentlich kompliziert. Glas für die Fenster beschaffte sich Herbert Streiff auf dem ehemaligen Flughafen Waggum; Toiletten, Waschbecken, Herd, Badewanne, Öfen, Kabel für die Elektroinstallation, Türen und Tische sowie Stühle in ganz Braunschweig.
Das Hochwasser im Frühjahr 1946 setzte die Räume unter Wasser, so dass alles noch einmal wieder hergerichtet werden musste.
Handwerker waren leicht zu bekommen, aber die neben dem Lohn geforderte Zusatzverpflegung musste auf dem Schwarzmarkt besorgt werden.
1946
Die Eröffnungsbilanz vom 2. Januar 1946 zeigte, unter welchen Voraussetzungen nach dem Krieg weitergearbeitet werden musste. Was dann im Mai 1946 geschah, wird im Nachhinein als kleines Wunder bewertet. Der Hausmeister der Drogistenakademie in Braunschweig bot der Firma die Maschinen aus der Buchbinderei an, die den Krieg unbeschädigt überstanden hatten. Die Firma nahm dieses Angebot sofort an.
Ein guter Handel: eine Pappschere, eine Ritzmaschine, ein Radschneider, eine Biegemaschine für Handbetrieb, eine Flachheftmaschine, eine Eckenheftmaschine und eine Vergolde-Prägepresse. Der Preis war niedrig: monatlich 200 Reichsmark und ein Stück Butter.
Die Voraussetzung, nun in bescheidenem Umfang wieder Verpackungen herstellen zu können, war gegeben. Auch das Problem des Auslieferns der Ware konnte gelöst werden. Wurden bis 1946 in kleinen Mengen Kartons mit einer langen, zweirädrigen Karre in der Stadt ausgeliefert, verbesserte sich die Lage nach einem lukrativen Geschäft schlagartig.
Otto Streiffs jüngster Sohn Herbert (Abb. rechts: mit Ehefrau Ilse) tauschte ein Dreiradfahrzeug, Fabrikat DKW-Manderbach, gegen ein französisches Rundfunkgerät und seine Offiziersreiterhose ein.
Der defekte Wagen stand in kürzester Zeit fahrbereit zur Verfügung. Ein Vorrat an Zigaretten reichte, um die fehlenden Ersatzteile zu besorgen.
Vor der Währungsreform gestaltete sich die Finanzierung aller Maßnahmen schwierig.
Die langjährige Hausbank hatte Streiff & Helmold lapidar mitgeteilt, dass die Firma die Verbindlichkeiten von vor 1945 in Höhe von 20.000 Reichsmark schnellstens zurückzahlen müsse und einen neuen Kredit nicht erhalten würde.
Otto Streiff und seine Söhne Herbert und Wolfgang, die nach dem Krieg mit in die Firma eingestiegen waren, stellten daher Überlegungen an, was mit dem Fabrikgrundstück Fallersleber Straße 6 geschehen sollte. Da die Firma nicht über liquide Mittel verfügte, entschlossen sie sich schweren Herzens, das Grundstück zu verkaufen.
1947
Derweil ging das Geschäft jedoch weiter. Vor der Währungsreform waren Pappen nur im Tausch gegen Altpapiergutscheine zu erhalten. Diese wiederum bekam man nur, wenn Altpapier beim Rohstoffhändler abgeliefert wurde.
Um die Versorgung mit Pappen zu verbessern, organisierte Herbert Streiff zehn Kolonnen mit Handwagen. Diese sammelten in ganz Braunschweig Altpapier für die Firma. Das funktionierte so gut, dass bereits im Juli 1946 die ersten 10.000 Kilogramm Maschinenlederpappe bei der „Rheinischen Pappenfabrik“ in Monheim gekauft wurden.
In dieser Phase benötigte Streiff & Helmold Geld, um neue Maschinen zu erwerben — das Unternehmen sollte expandieren. Ein Käufer für den Firmensitz an der Fallersleber Straße 6 fand sich schnell. Auch die Tatsache, dass die Stadt Braunschweig das Vorkaufsrecht besaß, erwies sich nicht als Problem. Der Verkaufspreis betrug am 17. Mai 1947 86.500 Reichsmark.
Nach Begleichen aller Verbindlichkeiten erwarb man in Leipzig, Dresden und Bielefeld neue Maschinen: zwei Schnellschneider „Krause-A130 Cenq“ (Abb. links: an der Maschine Zuschneider Helmut Warnecke, der 53 Jahre Streiff & Helmold die Treue hielt) und die Stauchbiegemaschine „Skama“. Kurz vor der Währungsreform schaffte es Streiff & Helmold, mit der an sich nicht vorteilhaften Reichsmark noch sehr gut einzukaufen.
Aber nicht der Erwerb, sondern der Transport aus Sachsen nach Braunschweig bereitete ungeahnte Schwierigkeiten. Kein Wunder, denn Deutschland lag noch in Trümmern, die Straßen befanden sich in katastrophalem Zustand.
Nur durch persönliche Beziehungen gelang es schließlich, alle Gerätschaften in den Westen zu bringen. Teils zerlegt trafen die letzten Maschinen mit Pferd und Wagen zu Weihnachten 1949 in Braunschweig ein. Bereits 1947 hatten die Streiffs einen Opel Sanka (Abb. rechts) erstanden, mit dem übrigens auch bereits Betriebsausflüge in den Harz gemacht wurden.
1949
Die Streiffs steckten voller Tatendrang und sondierten den Markt nach insolventen Firmen. Fündig wurden sie bei einer Kartonagenfabrik in Offenburg. Zufälligerweise hieß der Schwiegersohn des Besitzers auch Streiff, was den Kauf der Maschinen erheblich erleichterte.
1953
Mit dem Jahr 1953 und dem Umzug von der Ekbertstraße nach Völkenrode begann eine neue Ära für Streiff & Helmold. Es handelte sich um die alten Gebäude der in Konkurs gegangenen Konservenfabrik Otto Ebermann. Nach kurzen Verhandlungen mit dem Konkursverwalter und den Gläubigern hieß die künftige Firmenanschrift Völkenrode 66.
1955
Die Firma stand am Scheideweg. Für die Familie folgten Jahre großer Entbehrungen, nur allmählich verbesserte sich die wirtschaftliche Lage. Die Wirtschaftswunderzeit lief noch an Streiff & Helmold vorbei. Die Belegschaft arbeitete mit viel Engagement und gern bei Streiff & Helmold. Beweis dafür ist die Urkunde mit den Unterschriften aller Mitarbeiter zum 75-jährigen Betriebsjubiläum (Abb. links).
1958
Aber aufgeben war ein Fremdwort in der Familie Streiff. Neue Absatzmärkte mussten erschlossen werden. Die Orientierung ging Richtung Westen. Unbeirrt hielt die Firma indes an der Verarbeitung von Pappen und Papier in jeglicher Form fest.
1963
Mit der Gewinnung neuer Kundenkreise aus der optischen und elektronischen Industrie setzte schließlich eine gleichbleibende Umsatzsteigerung ein. Ein neuer Maschinenpark mit einer vollautomatischen englischen Deritend-Schachtelüberziehmaschine ermöglichte die Annahme von Großaufträgen. Die Mitarbeiterzahl wuchs langsam.
1969
In den 60er Jahren startete der Siegeszug des Kunststoffs.
Streiff & Helmold stieg vorsichtig in die Verarbeitung ein, ohne das Kerngeschäft mit Papier und Pappe zu vernachlässigen und errang im gleichen Jahr mit einer kombinierten Karton-Folienverpackung einen Verpackungspreis.
1974
Am 1. Januar 1974 trat nach Abschluss seines Hochschulstudiums im Maschinenbau der Fachrichtung Fertigungstechnik mit Helmut Streiff die nächste Generation in die Firma ein. Gleichzeitig stieß Klaus-Jürgen Eggen (Abb. rechts: mit Helmut Streiff), vorher Prokurist in einem Display-Werk in Hannover, zum Team Streiff. Den Verkauf übernahm der Junior, Eggen die Sparten Kunststoffe und Displays und -neu- Werbung und Marketing.
1975
Bereits vier Monate später wurde das Unternehmen in eine GmbH umgewandelt und Helmut Streiff Geschäftsführer. Während der jährliche Umsatzzuwachs nach dem Krieg durchschnittlich bis 1970 drei Prozent betrug, erzielte das Unternehmen bis 1980 ein durchschnittliches Plus von mehr als 30 Prozent – zur Freude der Altgesellschafter Herbert und Wolfgang Streiff (Abb. links).
1978
Die Geschäfte florierten. Die Entwicklung einer speziellen Schaumstoffverpackung, kombiniert mit Wellpappe, war für die Firma ein großer Erfolg (Abb. rechts: bis heute mehr als zehn Millionen Mal verkauft). Sie wurde als
Gebrauchsmuster angemeldet und 1978 beim deutschen Verpackungswettbewerb, auf der Interpack in Düsseldorf, prämiert. Aufgrund dieser Entwicklung mietete Helmut Streiff zur Wellpapp-Lagerung einen Bauernhof in Wendeburg (Landkreis Peine) an.
Diese Erfolge motivierten Streiff & Helmold, die Produktion zu erweitern, was zu Platzproblemen führte. Nach Besichtigung verschiedener Standorte entschied sich die Geschäftsführung für ein 10.000-Quadratmeter-Grundstück am Pippelweg in
Braunschweig (Abb. links). In der ehemaligen 1500-Quadratmeter-Halle des Getränke-Großhändlers Rehker wurde nun Wellpappe hergestellt.
1979
Zwangsläufig mit der betrieblichen Entwicklung verbunden war auch eine Vergrößerung des kaufmännischen Bereiches in Völkenrode. Die Investitionen in den 70er Jahren nahm Streiff & Helmold ausschließlich aus eigenen Mitteln vor. Das von
Klaus-Jürgen Eggen betriebene Geschäft der Display-Herstellung hatte sich mittlerweile so gut entwickelt, dass er 1979 Prokura erhielt.
1980
Die sich bietende Gelegenheit, mit den Fachleuten „Vernier und Hoppe“ zusammen eine neue Sieb- und Offsetdruckerei zu gründen, wurde Anfang 1980 verwirklicht. Neben der Anschaffung neuer Maschinen wurde der Betrieb in gepachtete Räume in die Kastanienallee in Braunschweig verlegt. Mit dem Einstieg in das Sportsponsoring erhöhte sich der Bekanntheitsgrad enorm (Abb. rechts).
100 Jahre Streiff & Helmold — eine Erfolgsgeschichte.
Der 1. Oktober 1980 war für Familie Streiff und alle Mitarbeiter ein aufregender Tag. Weit über 100 Gäste aus Wirtschaft und Politik feierten in den Räumen in der Peiner Straße 170 das Jubiläum. Als besondere Attraktion war die größte Wellpapp-Schachtel der Welt hergestellt worden. Inhalt: das Dreirad Goliath, der erste Lieferwagen nach dem Krieg (Abb. 43).
Aus Anlass des Jubiläums bekam die Belegschaft eine Ferienwohnung in Wendtorf an der Ostsee zur Nutzung übergeben — als Dank der Firma für ihren Einsatz.
Mit der Erteilung des Auftrages für einen Erweiterungsbau am Pippelweg setzte Streiff & Helmold seine Expansionsbestrebungen fort.
1981
Am 24. Juni 1981 erhielt die Baufirma „Grote“ die Schlusszahlung für den Neubau überwiesen. Just am selben Abend um 18 Uhr sendeten die Nachrichten, dass die Firma „Rollei“, zum damaligen Zeitpunkt der drittgrößte Kunde, einen Vergleich angemeldet hatte, der im Anschlusskonkurs endete und bei dem insgesamt 410.000 Mark an Forderungen abgeschrieben werden mussten.
1983
Aber Streiff & Helmold erholte sich schnell von diesem Rückschlag. Die Zusammenarbeit mit dem Computerhersteller „Commodore“ (Abb. rechts: C64 – acht Millionen Mal in Braunschweig gebaut) gedieh prächtig. Für einen Kaufpreis von 20.000 Mark übernahm Streiff & Helmold die Werkstatt von Commodore; zum 1. Juli 1983 gründete Helmut Streiff die „Mechanische Werkstatt Streiff“, abgekürzt MWS. Sie bezog das alte Kesselhaus in Völkenrode.
1984
Ab 1. August 1984 ließ Streiff den zweiten Erweiterungsbau mit 3.000 Quadratmetern am Pippelweg bauen. Das Grundstück war von der Firma „Dreckspatz“ ein halbes Jahr zuvor erworben worden. Zeitgleich wurde der Kauf des gegenüberliegenden Grundstücks der „Beton-Union“ mit 11.000 Quadratmetern perfekt gemacht. Ein genialer Schachzug gelang mit dem anschließenden Erwerb der öffentlichen Straße zwischen den Grundstücken. Ergebnis: ein
Grundstück mit 27.000 Quadratmetern (Abb. links).
1985
Mit einem rauschenden Fest feierte das gesamte Unternehmen den Neubau der Verwaltung (1000 Quadratmeter) am Pippelweg. 1985 ergab sich die Perspektive, Computer nicht nur zu montieren, sondern auch hierfür einen eigenen Service einzurichten — die neue Tochter taufte Helmut Streiff Computer Service Streiff (CSS).
1986
Streiff & Helmold erweiterte die Angebotspalette und baute für die MWS auf dem Gelände der ehemaligen Beton-Union ein neues Gebäude. Die MWS-Mitarbeiterzahl erreichte Mitte der 80er Jahre die 100er-Grenze bei einem Jahresumsatz von fünf Millionen Mark.
1987
Zu dem Betrieb „Richard Bretschneider“ bestanden seit 1980 immer bessere Kontakte, die schließlich 1987 in einem Kauf und 1988 in einem Neubau für das Faltschachtelwerk mündeten. Bei der Einweihung 1989 gab es aus der größten Sudpfanne der Welt (Abb. rechts) ein legendäres Karpfenessen für 400 Gäste. Im selben Jahr folgten die Integration des Rollenwellpapp-Werks „Michaelis“ in Barsinghausen und des Etikettenherstellers „Faubel“ in Melsungen.
1989
Die Streiff-Gruppe entwickelte sich immer mehr zum Logistik-Unternehmen – „Just-in-Time“ lautete das Zauberwort. Für CSS errichtete Streiff 1989 am Pippelweg 62 eine Produktionsstätte. Die Öffnung der Grenzen wertete Streiff & Helmold selbst als Signal zum Aufbruch Richtung Osten. 1990 unterschrieb Helmut Streiff das erste Joint-Venture (Abb. links) – die „Papierwarenfabrik Halberstadt“ durfte sich über einen Investor freuen.
1992
Das Traditions-Unternehmen erntete mit dem Neubau im Halberstädter Gewerbegebiet ein großes Medienecho. Der Kauf einer weiteren Immobilie 1994 am Pippelweg 71a in Braunschweig stand dem in nichts nach. In Wirtschaftkreisen nannte man die Straße bald Streiff-Allee. 1996 ergab sich an der Carl-Giesecke-Straße die Möglichkeit, den Neubau von Commodore zu übernehmen. Dort wickelte fortan „Streiff Logistik“ die Konfektionierung für „Miro“ ab (Abb. rechts).
1997
Die gestiegene Freizeitaktivität der Deutschen und den Tennisboom nach Boris Beckers Wimbledon-Sieg griff die neu gegründete Streiff-Holding (1995) auf und erwarb
Tennishallen in Braunschweig, Wendeburg und Grußendorf. Im neu errichteten Gewerbehof an der Hamburger Straße in Braunschweig (ehemals Schmalbach) quartierte sie ein Reha- und Fitness-Zentrum ein. Mit der Einrichtung der Streiff Freizeit GmbH wurde 1997 dieser Entwicklung Rechnung getragen.
1999
Ihrem künstlerischen Drang folgend versuchte die Gruppe nicht nur Verpackungen herzustellen, sondern gab auch den eigenen Immobilien eine interessante Note: ein Kunstwerk mit bunten Zahnrädern und einem pausierenden Bauarbeiter an der Hamburger Straße in Braunschweig (Abb. links) oder der überdimensionale ehemalige Fabrikbesitzer Gerhard Kubetschek vor der Kuba-Halle in Wolfenbüttel-Linden.
2000
Während Streiff & Helmold das Kerngeschäft kontinuierlich ausbaute, integrierte die „Streiff-Holding“ auch Firmen aus anderen Geschäftsbereichen. Mit der Übernahme von „Setron“ in 2.000, Distributor elektronischer Bauteile (Abb. rechts), und dem Erwerb von „Neoplastik“, Kunststoffverpackungen (Abb.: rechts), ein Jahr später zeigte das Traditionsunternehmen seine Verbundenheit zur Region und rettete mehr als 200 Arbeitsplätze.
Doch die Aktivitäten beschränkten sich nicht allein auf Braunschweig. Die „Papierfabrik PMD“ in Dohna bei Dresden bot eine sinnvolle Ergänzung und vergrößerte gar die Wettbewerbsfähigkeit des Verpackungskünstlers aus der Löwenstadt – ebenso wie „RGG Print Medien“, ein Betrieb, der in der Theodor-Heuß-Straße beheimatet war. Leider ging die Dresdner Papierfabrik im Jahrhundert-Hochwasser im August 2002 unter 30.000 Tonnen Schlamm unter.
Als besonderen Dank für langjährige Mitarbeiter, aber auch als Zeichen der geringen Fluktuation werden alle Beschäftigten mit 10, 25 und 40 und sogar drei mit 50-jähriger Betriebszugehörigkeit auf der Jubiläumstafel am Verwaltungsgebäude in der Carl-Giesecke-Straße verewigt.
2002
Helmut Streiff engagiert sich für das Gemeinwohl in den verschiedenen Gremien in seiner Heimatstadt Braunschweig - zum Beispiel als Vize-Präsident der Industrie- und Handelskammer und im Hochschulrat der Technischen Universität. Zurzeit bereitet er die Einrichtung eines Museums vor – ein Museum über den Hersteller von Tonmöbel, Musik- und Fernsehtruhen, Gerhard Kubetschek, im ehemaligen Kuba-Werk in Wolfenbüttel (Abb. rechts: Streiff neben der Plastik von Kubetschek).
2004
20 Monate vor dem 125-jährigen Bestehen bezog Streiff & Helmold im Januar 2004 das neue Betriebsgelände mit 64.000 Quadratmetern an der Carl-Giesecke-Straße 2 in Braunschweig. Ein Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens – das ultramoderne Gebäude beheimatet die Mutterfirma Streiff & Helmold und die
Holding (Abb. rechts), direkt neben dem vorhandenen Logistik-Zentrum.
2005
Die Streiff-Gruppe besteht im Jubiläumsjahr 2005 aus elf Firmen, beschäftigt insgesamt mehr als 900 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 117 Millionen Euro im Jahr. Und denkt nicht ans Ausruhen. Der erste Spatenstich für den größten Neubau (21.500 Quadratmeter Nutzfläche) für den Elektronik-Distributor „ALSO“ im Industriegebiet Hansestraße ist getan.
2006
Nach einjähriger Bauphase wird der größte Neubau, für den Elektronik-Distributor "ALSO" am 29.09.2006 in der Christian-Pommer-Straße eingeweiht.
2009
Am 31.05.2009 wird der Geschäftsbetrieb der Computer-Service-Streiff GmbH & Co.KG nach 24 Jahren eingestellt. Von unserer Tochterfirma "Neoplastik", Kunststoffverpackungen, trennten wir uns im September. Gleichzeitig übernahmen wir zum Jahresende in Nürnberg die Firma pk components Elektronische Bauelemente Vertriebs GmbH.
pk components ist eine hundertprozentige Tochter der Firma setron.
Auf der 2006 eingeweihten "ALSO" Immobilie wurde eine Photovoltaikanlage errichtet. Eine solche Anlage liefert Strom für mindestens 250 4-Personenhaushalte. 2010 soll eine vergleichbare Anlage auf der Immobilie Carl-Giesecke-Straße installiert werden.
2010
Sven Streiff, studierter Wirtschaftsingenieur und von Siemens in Shanghai, München und Singapur ausgebildet, ist zum Januar 2010 bei setron als Assistent des Geschäftsführers, Herrn Klammer, eingetreten.
Die Streiff Holding hat mit Wirkung zum 01.03.2010 die Immobilie "Am Hafen 2" erworben und wird dort einen Gewerbehof betreiben.
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